2026 03 06 Ankomme, Cape Charles

Mittagsposition: 37° 03.10 N, 076° 04.36 W, Etmal: 107,4 sm.

Die Nacht wird wild. Bis Mitternacht kann ich ein wenig schlafen, doch danach bin ich ratzewach. Links, rechts, auf dem Rücken – kein Einschlafen. Dabei ist draußen schön ruhig. Und kalt. Drinnen auch. Trotz laufendem kleinen Heizlüfter. Thermooverall hilft nur wenig. So vertreibe ich mir die Zeit mit Lesen, Daddeln und am Ende setze ich mich an die Steuererklärung. Und selbst das lässt mich nicht einschlafen.

Zwischendurch Segel setzen, Segel bergen, Motor an, Motor aus. Zwischen flotter Fahrt und 2 kn Schleichen wird alles geboten! Irgendwann nach 4 Uhr merke ich: Versuch es noch mal, ein paar Minuten die Augen zu zu machen.

In der Einfahrt zur Chesapeake Bay ist die Hölle los. Sicht um 0,3 sm. Heißt, auf Sicht fahren geht nicht. Und entgegen der meisten Wettermodelle hat der Wind kräftig gedreht und auch gut aufgefrischt. Nett – ich kann segeln. Nicht so nett: Nordostwind baut eine kleine Welle auf. Vorbei mit dem so friedlichen Dahingleiten!

Dann meldet sich ein Wasseralarm nach dem anderen. Klar – RE schwitzt hatte ich ja schon berichtet. Und das eben überall… Nebenbei hatte ich den Watermaker so geplant, dass ich auf den letzten Meilen im Atlantik den Tank randvoll mache. Da hab ich nun auch noch zu tun.

Und klar – heute, bei der Sicht, sind hier jede Menge Schiffe unterwegs. Und genau da, wo wir uns alle treffen, da ist der große Kreisel. Zwei Schifffahrtsstraßen auslaufend, zwei in den Atlantik rein. Und die dicken Pötte geben hier den Lotsen ab. So ändern sie Kurs und Fahrt und der CPA spielt verrückt. Und da sie in solchen Momenten anscheinend auch gut zu tun haben, reagiert einer auch auf meinen Anruf nicht. Denn egal wie ich ausweiche, der hält auf mich zu! Am Ende dreht er dann doch wie erwartet ab und läuft Richtung Atlantik. Dann, als alles klar ist, bekomme ich ihn auch in Sicht. Zieht klar an mir vorbei….

Nebenbei setzt zurzeit ein netter Strom in die Bay rein. Eigentlich nett – und entspricht der Vorhersage. Nur – damit laufe ich über 7 kn. Und bin damit auch für die Großen nicht so einfach zu ignorieren. Und klar – ein paar Untiefen gibt es hier auch, über die ich nicht brettern will. Zu allem Überfluss ist das die typische Tageszeit, in der ich alle 10 Minuten rennen gehen könnte…

Ach wie herrlich waren die letzten Einfahrten hier. Da war alles ziemlich ruhig. Noch 2 Stunden segelt RE hoch am Wind. So lange, wie die VMG (Velocity Made Good – gutgemachte Geschwindigkeit) nicht drastisch abnimmt. Ich weiß, dass nicht jeder das Konzept der maximalen Geschwindigkeit auf das Ziel zu versteht. Und auch mein Argument, dass ich gut unterwegs bin, solange ich eine hohe Geschwindigkeit fahre, verfängt nicht bei jedem. Denn: Ich fahre nicht aufs Ziel zu…

Gegen 14 Uhr ist es dann so weit. Also – Motor an, Segel runter, Kurs in die Einfahrt nach CC (Cape Charles). Und dann beginnt die Hafen-Vorbereitung: Leinen und Fender raus. Da RE die Strecke selbst abfährt, habe ich dann auch noch Zeit, das Groß schön zu verpacken. Und meine „Ruhepausen“ zu nehmen.

Um 14.45 Uhr ist es dann so weit: RE hat in CC fest gemacht. Auch ohne Rückmeldung auf meine mehrfachen Nachfragen, ob sie einen Steg-Platz für mich haben. Nachdem die erste (und damit für mich entscheidende) Leine fest ist, kommen andere Segler zur Hilfe. Als ich beim Anlauf mehrfach gepfiffen hatte, haben sie lieber ihr eigenes Ding gemacht. Da RE im Wind sich sofort quer legt, hatte ich Schwierigkeiten: Gegen den Wind auf der „ablandigen“ Seite des Stegs musste ich das Heck an den Steg bringen, Motor stoppen (RE dreht sofort) und nach achtern springen, die Leine über eine Klampe werfen und fest machen. RE liegt nun mit dem Heck zum Steg, hat vorne nur noch wenig „Spiel“. Aber da die Leine fest ist, kann ich nun RE wieder parallel zum Steg bringen und – tja, jetzt sind 2 Leute da, die Leinen annehmen. Jetzt – wo ich mit Motorkraft RE dynamisch an den Steg legen kann….

Der Rest des Tages ich einfach: Kurz ins Hafenbüro. Sie haben meine Daten ja schon.
RE ordentlich fest machen, Elektrik und Wasser anschließen.
Hafen-Bier. Tagesschau. Abschlaffen.
Alles andere: Morgen!
Auch wenn es erst 18 Uhr ist: Für mich ist jetzt Schluss! Keine Verantwortung mehr. Keine Sorge, ob der Anker hält, wie das Wetter morgen wirklich wird, wann ich einen Rundblick machen muss. Montag um 12 soll es aus dem Wasser gehen. Und dann an den Rückflug! Hurra! Gute Nacht!