Mittagsposition: 44° 16.58 N, 025° 46.20 W, Etmal: 117,8 sm.
Aktueller Standort mit dem zurückgelegten „Pfad“.
Eigentlich mal wieder ein Kapitel „Leben an Bord“. Was mache ich so auf meiner Wache? Ist ja das erste Mal an Bord RE, dass ich die Wache bis 03 Uhr habe. Eine dunkle Wache! So gegen 21 Uhr ist es draußen dunkel und das schöne Ende mit dem Sonnenaufgang, das habe ich nicht. Also: 6 Stunden Dunkelheit. Draußen zu sehen: Wenig. Der Mond wird durch eine dicke Decke Wolken abgedunkelt, Sterne sind somit gar nicht zu sehen.
Und drinnen beschäftige ich mich dann mit so Sachen wie Müll-Management. Wir zerkleinern ja alles Plastik so weit, dass es flach liegt. Also all die schönen Formteile werden kleine Schnipsel. Minimales Volumen ist das Ziel. Denn irgendwo muss das ja gelagert werden, Plastik geht auf gar keine Fälle über Bord! Und so gibt es Boote, die auf jeder „Kammer“ am Ende der Reise 2 große Müllbeutel haben. Wir nicht! Ein halb gefüllter Beutel liegt bei RE auf der Ankerkette…
Dann mache ich heute – das passiert so alle 3 Tage – eine neue Flasche Hafer-Milch. Zurzeit ganz hoch im Kurs bei Ralf und mir: Hafer-Mandel-Schoko-Milch! Wirklich lecker! Den allerersten Teil brauche ich dann um mein Vitamin-Pulver trinkbar zu machen. Der Rest geht in den Kühlschrank. Dazu dann ein Töpfchen mit dem Reste-Mus. Den isst Ralf gerne mit Müsli. Haferschleim sag ich dazu.
Um Punkt Mitternacht wird „ein Ort gemacht“, sprich, die Position fein säuberlich ins Logbuch eingetragen. Dazu dann die Strecke der letzten 24 Stunden. Heute: 123,5 Meilen. Zufriedenheit herrscht ab 120 Meilen. Geschafft!
RE steuert zurzeit hoch am Wind. Was heißt, der Winkel zwischen scheinbarem Wind und Voraus ist auf 48° eingestellt. Damit erreichen wir so ca. 70° zwischen wahrem Wind und Kurs über Grund. Für ein „richtiges“ Segelschiff ein grottiger Wert. Rennyachten schaffen schon 28°! Gute Fahrtenyachten so um die 35°. Aber ein so schwerer Kat eben nicht.
Da RE nur den Winkel vorgegeben bekommen hat, richtet sich der Kurs nach dem Wind aus. Sehr bequem für die Crew, müssen wir doch bei einer Winddrehung nichts machen! Und besser, sprich mehr nach Norden, würden wir per Hand oder beim Steuern nach einem bestimmten Kurs auch nicht kommen. Eher schlechter, denn bei einer Winddrehung müssten wir das erst merken, dann nachsteuern. Das bekämen wir so schnell und unmittelbar gar nicht hin…
Ralf:
Wind und Seegang schwächen sich ab. Zum Wachwechsel um 3 Uhr hat Chrischan bereits die Fock ausgerefft. Was mache ich dann, wenn Chrischan auf der Koje ist? Zunächst verschaffe ich mir einen Überblick über die letzten 6-7 Stunden, in denen ich geschlafen habe. Position, Fahrt, wie stehen die Segel, andere Schiffe? Im Moment kein Thema, aber das wird sich spätestens ab Kanal ändern. RE segelt weiter unter Autopilot. Ich muss nur weiter auf Kurs, Wind und Segel achten.
Dann mache ich Kaffee, mir ein Müsli oder einen Toast, und schreibe meinen Bericht, damit Chrischan ihn einpflegen kann, wenn er wieder hochkommt. Ich schreibe hochkommt, denn RE hat im Prinzip drei Decks. Die Kammern mit Kojen und Nasszellen liegen in den beiden Rümpfen, fünf Stufen hoch geht es in den Salon mit Navigationspult, Sitzecke und Kombüse, also quasi das Hauptdeck. Vom Achterdeck (Terrasse), geht es dann noch vier Stufen hoch zum Steuerstand an Backbord. Ich liebe die Morgenwache, habe sie schon immer geliebt, wenn an Bord alles ruhig ist und man entspannt in die Morgendämmerung und den Sonnenaufgang hineinfahren kann. Bei uns ist es eigentlich immer ruhig, da der eine schläft, wenn der andere Wache hat. Nur zwischen 11 und 20 Uhr sind wir gemeinsam ‚oben‘.
Den ganzen Tag blicken wir skeptisch auf die Windvorhersagen. Der Wind bleibt unbeständig und kommt für uns aus der falschen Richtung. Am Abend läuft RE in Windsteuerung plötzlich Südkurs. Der Wind hat gedreht, also Wende. Damit können wir wenigstens Nord laufen, auch wenn wir nicht viel nach Osten vorankommen. Kurze Zeit später dreht der Wind zurück, also wieder Wende. Jetzt sind wir wieder auf dem vorherigen Kurs. Der Wind schwächelt weiter.
Abends gibt es Nudelauflauf mit einem Rest ‚Rote Soße’. Wir schreiben hier doch einen Food-Blog „Verpflegung auf hoher See“!